Jahresbericht

Jedes Jahr gibt die Gesellschaft den renommierten Jahresbericht heraus. Darin werden aktuelle Themen und Forschungen zum Legionslager und seiner Umgebung publiziert. Ebenfalls Platz haben Kurzberichte zu allen Ausgrabungen des letzten Jahres im Umfeld des Legionslagers.

Die älteren Jahresberichte sind unter e-periodica.ch elektronisch als pdf abrufbar (jeweils ein Jahr nach der Veröffentlichung).

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© Kantonsarchäologie; Foto: Béla Polyvás

Der Jahresbericht 2020 ist gedruckt. Die Mitglieder der Gesellschaft haben den Jahresbericht 2019 bereits per Post erhalten. Sie können den Jahresbericht direkt bei uns bestellen oder exklusiv ab dem von unserer Homepage downloaden:

Vergessene Akten, verschollene Knochen und ein Berg aus Müll – Neue Erkenntnisse zum «Schutthügel» von Vindonissa anhand wiederentdeckter Unterlagen aus dem Nachlass von Elisabeth Schmid (Benjamin M. Sichert, Jürgen Trumm, Regine Fellmann Brogli, Sabine Deschler-Erb)

Neu entdeckte Unterlagen aus dem Nachlass von Elisabeth Schmid erlauben eine archäozoologische Neubewertung des «Schutthügels» von Vindonissa. Dabei zeichnet sich ab, dass das Tierartenspektrum in unterschiedlichen Bereichen der Abfallhalde variierte, was möglicherweise auf die Beimischung von Handwerksabfällen oder auf unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten im Lager zurückgeht. Verendete Equiden der Legion scheinen gemäss der gegenwärtigen Datenlage nur vereinzelt auf dem «Schutthügel» entsorgt worden zu sein. Ein Teil der nachgewiesenen Wildtiere gelangte möglicherweise eigenständig auf den «Schutthügel», der für sie vermutlich eine willkommene Nahrungsquelle darstellte. Zum Artikel.

Das ländliche Umland von Vindonissa im 1. Jh. n. Chr. und
seine Ressourcen (Caty Schucany
)

Die Ankunft von gut 6500 Menschen und gegen 1000 Tieren in Vindonissa muss einen gewaltigen Einfluss auf Leben und Wirtschaft im engeren und weiteren Umland des Lagers gehabt haben. So
waren jährlich um die 4000 m3 Getreide nötig, um das Legionslager zu versorgen – 3300 m3 für die Mannschaft und 700 m3 für die Tiere. Während im späteren 1. Jh. der Bedarf an Getreide im unmittelbaren Umland des Legionslagers gedeckt werden konnte, sodass nicht in den Teil der civitas Helvetiorum weiter westlich ausgewichen werden musste, scheint dies für das frühere 1. Jh. n. Chr. nicht zuzutreffen. Ob dies am mangelhaften Forschungsstand liegt oder ob wir mit einem beträchtlichen Getreideimport zu rechnen haben, werden vielleicht künftige Grabungen klären. Zum Artikel.

Neue Forschungen zum spätantiken Hochrhein-Limes im Kanton Aargau V – Die spätantiken «Magazinstationen» Mumpf-Burg und Sisseln-Hintere Halde (Valentin Häseli und Peter-A. Schwarz)

Die doppelpilzförmigen Kleinfestungen Mumpf-Burg und Sisseln-Hintere Halde wurden von der älteren Forschung als «Magazinstationen» bezeichnet – archäo(bio)logische Belege fehlen aber nach wie vor. Für diese Funktion spricht jedoch, dass sie am (hier schiffbaren) Rhein und in der Nähe von landwirtschaftlichen Nutzflächen errichtet wurden; Mumpf-Burg liegt zudem an einer via publica. Dem gleichen Zweck dienten wohl auch die grundrissgleichen, aber etwas grösseren Kleinfestungen in Aegerten BE. Diese wurden um 368/369 n. Chr. errichtet und schützten (auch) einen Brückenübergang über die Zihl, was nahelegt, dass darin auch kleinere Truppenkontingente untergebracht waren. Letzteres dürfte auch in Mumpf und Sisseln der Fall gewesen sein; Hinweise auf schützenswerte Rheinübergänge, namentlich bei Stein AG bzw. Bad Säckingen (D), liegen aber nicht vor. Die Analyse der älteren Fundmeldungen und der Sichtverbindungen zeigte jedoch, dass in dem rund 7 km langen Abschnitt zwischen Mumpf und Sisseln (mindestens) drei Wachtürme standen. Schlüsselwörter: Spätantike, Hochrhein-Limes (HRL), Kleinfestung, Magazinstation Mumpf-Burg, Magazinstation Sisseln-Hintere Halde, Magazinstation Aegerten-Isel, Magazinstation Aegerten-Bürglen, Wachturm Mumpf-Ob  em Dorf, Wachturm Stein-Dorfkern, Wachturm Stein-Nasen / Salmenwaage, Bad Säckingen (D). Zum Artikel.

Ausgrabungen in Vindonissa im Jahr 2020 (Jürgen Trumm, mit Beiträgen von Regine Fellmann Brogli, Pirmin Koch, Matthias Nieberle, Philippe Rentzel und Sonja Streit)

Im römischen Vindonissa war die Kantonsarchäologie Aargau im Berichtsjahr 2020 an 19 Plätzen der heutigen Gemeinden Windisch, Brugg, Hausen und Gebenstorf im Einsatz. Die Ausgrabungen, Sondagen, Baubegleitungen und geophysikalischen Prospektionen konnten dabei trotz COVID-19-Pandemie unter entsprechenden Auflagen weitgehend planmässig durchgeführt werden. Einmal mehr standen weniger das römische Legionslager des 1. Jh., sondern vielmehr die ausgedehnten Bereiche der umgebenden Zivilsiedlungen, Gräberfelder und Wasserleitungen im Fokus der Feldarbeit. Wichtigster Einsatz war die erste Etappe einer weiteren Grossgrabung vor der Südwestfront der castra legionis, wo man erwartungsgemäss auch auf frührömische Brandgräber stiess. Während dieser Grabung gelang der bedeutendste Einzelfund des Jahres, ein vollständig erhaltener goldener Fingerring mit Kameo. Die Fortsetzung der als Feldkurs für interessierte Freiwillige durchgeführten Grabung in Gebenstorf-Vogelsang erbrachte weitere Hinweise auf ungewöhnlich grosse Steinbauten dieser fast vergessenen, nun aber wieder in ihrer Bedeutung erkannten Siedlungsstelle extra leugam des Legionslagers. Viel zu diskutieren gab schliesslich der Totalabbruch eines 40 m langen, vollkommen intakten Abschnitts der «toten» römischen Wasserleitung in Hausen. Zum Artikel.